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Mit Foodporn "Google Insider" werden

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Fotografieren, was man gleich aufisst, und das dann auch weithin zu spreaden – diese Art Selfies sind in Mode, machen beliebt und neuerdings auch zum „Google Insider“.

Mit Instagram hat Facebook den Selfie-Wahn noch mehr angefeuert. Aber es bleibt natürlich nicht beim Shopping-, Workout-, Pärchen- oder Mama-Kind-Selfie. Auch „Foodporn“, die Ablichtung und Verbreitung der eigenen Mahlzeit, wird immer populärer. Mit Hashtags versehen wie #tweetwhatyoueat oder #instafood fluten solche Essensaufnahmen die sozialen Netzwerke, sorgen für noch mehr Kommentare und Aufwärtstrend in der Social-Media-Hierarchie.

Foodporn: Guck, was ich esse
Foodporn: Guck, was ich esse - zum Beispiel bei Frau Weber in Dortmund
Es gibt viele Theorien darüber, warum Menschen anderen zeigen wollen, was sie gerade essen. Einerseits sind bei einer appetitlich aussehenden Speise einfach jede Menge „Likes“ garantiert. Gutes Essen ist etwas, das alle gut finden, ganz egal, wie unterschiedlich die Geschmäcker auf anderen Gebieten sind. Andererseits ist das, was wir essen, auch Ausdruck des heutigen Körperkults: Der Schnappschuss unseres Mittagessens zeigt, was wir uns aus Überzeugung einverleiben. Sind wir Veganer, Krümelmonster, Low-Carber, Sushi-Freaks oder passionierte Fleischesser? Als was auch immer wir uns mit dem Foto vom gefüllten Teller outen, damit prahlen wir auch, uns gutes Essen leisten zu können. Erst recht, wenn die Aufnahme nach einem teuren Restaurant aussieht. Dann wird „Foodporn“ ganz klar zum Statussymbol.

Google will bei diesem Trend natürlich nicht leer ausgehen. Anfang des Jahres war der Suchmaschinenriese auf den Zug aufgesprungen und hatte der wachsenden Zahl sogenannter FFF (Food-Foto-Fanatiker) ein Social Network für Essensfotos kredenzt. Vier Monate später wurde die Plattform Tablescape allerdings wieder geschlossen, kommt aber jetzt als Teil von „Google Insider“ zurück. „Insider“ sind für den Allesfinder alle, die auf Google Maps viele Bewertungen hinterlassen – zu Orten, Geschäften, auch zu Restaurants. Knipst so ein Insider nun in einem Lokal per Android-Smartphone sein Essen, erkennt Google Maps dies und bittet um ein Upload. Das Foto erscheint dann im Google Maps-Eintrag.

Foodporn: Guck, was ich esseInsider werden von Google natürlich dazu angehalten, dies nicht für Geld zu tun. Als Restaurantbesitzer solche Fotos hochzuladen ist aber ebenso wenig erlaubt. Bleibt abzuwarten, ob sich daraus für den einen oder anderen Gast nicht doch eine kleine Einnahmequelle ergibt. Google zahlt jedenfalls nichts. Der Lohn liegt allein darin, seine Maps App mit einem Insider-Logo auszeichnen zu dürfen, andere Insider kennenzulernen und vielleicht mal Moderator einer „Insider-Google+ Community“ zu werden. Wer über 200 Bewertungen verfasst hat, hat die Chance, auf den offiziellen Seiten von Google+ einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

Allerdings gibt es jetzt schon Küchenchefs, die ein „Photografieren verboten“-Schild in ihrem Restaurant aufhängen. Gilles Goujon, Sterne-Koch der französischen Auberge Du Vieux Puits, sieht es als Diebstahl geistigen Eigentums, wenn seine ausgefallen angerichteten Speisen im Internet verbreitet werden.  R.J. Cooper vom berühmten ROGUE 24 in Washington DC ärgert sich über unprofessionelle Aufnahmen, bei denen die (bis zu) 24 Gänge seiner Menüs keine gute Figur mehr machen. Eine Abmahnung brauchen FFF aber wohl nicht befürchten. Die Anrichtung einer Speise ist nach aktueller Rechtsprechung keine schutzfähige Gestaltung. – Selfie-Sticks werden übrigens sehr viel häufiger verboten. Mehr und mehr Betreiber von Museen, Freizeitparks und Sportevents sehen in den Handy-Teleskopstangen ein Sicherheitsrisiko.

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