Messer, Löffel, Gabel: Kleine Besteckgeschichte

Keine Frage, welches Besteckteil zuerst da war: das Messer natürlich, seit Urzeiten das wichtigste Werkzeug der Menschheit, ob als Dolch auf der Jagd, als Schneidemesser oder zur Verteidigung eingesetzt. Zu Beginn wurden Messer aus Knochen oder Stein geschlagen. Mit seinen scharfen Kanten war der Feuerstein dafür besonders ideal. Am Ende der Steinzeit versah man die geschliffenen Steinklingen bereits mit Griffen aus Holz.

Als die Menschen im dritten Jahrtausend vor Christus mit der Metallbearbeitung anfingen, schmiedeten sie die Klingen aus Bronze mit einer Legierung aus Zinn und Kupfer. Dann kamen Eisenklingen ins Spiel. Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich entwickelte man den rostfreien Stahl. Seitdem ist Edelstahl das Klingenmaterial par excellence, ob für die Herstellung von Tortenmessern, Käsemessern, Fischmessern, Obstmessern, Austernmessern ...

gabelstern
Stern aus Gabeln
Die Gabel ist uns bereits von den Römern bekannt: Der italienische Adel nutzte sie in ihrer zweizinkigen Variante, um sich beim Verzehr von Obst die Finger nicht klebrig zu machen. Gabeln setzten sich jenseits der Alpen aber nur mühsam durch, galten sie im christlich geprägten Mittelalter doch als Symbol teuflischen Werkzeugs. Die Kirche verbot ihren Gebrauch. Im 17. Jahrhundert wurde es in Frankreich jedoch so schick, mit Gabel zu essen, dass sich ihre Verwendung allmählich ausbreitete. Im bürgerlichen Europa des 19. Jahrhunderts schaffte es sogar die gefährlich aussehende zweizinkige Bratengabel in jede Küchenschublade – von Alta bis Malta.

Löffel wurden bereits in der Altsteinzeit aus Knochen oder Holz geschnitzt. Was täten wir ohne sie! Ein Löffel ist der schöpfenden Hand nachempfunden: Die Hand entspricht der sogenannten Laffe (bedeutet eigentlich die Lippe), der Arm dem Löffelstiel. Aus der Jungsteinzeit gibt es auch Funde von Tonlöffeln. Kostbare Löffel aus Bergkristall und ziseliertem Silber wurden im 15. Jahrhundert in Venedig gefertigt.

Geschnitzte Exemplare aus dem 16. und 17. Jahrhundert und solche aus Silber zeugen von besonders kunstvoller Fertigung. Teils wurden diese Löffel mit Verzierungen und Inschriften versehen und als familiärer Besitzgegenstand weiter vererbt. Daher: Wer "den Löffel abgibt", stirbt. Heute weiß man gar nicht mehr, wo diese Redewendung herstammt. Dafür gibt es eine Löffel-Vielfalt unüberschaubaren Ausmaßes. Man denke nur an Eierlöffel, Espressolöffel, Breilöffel, Eislöffel, Kaviarlöffel oder Marmeladenlöffel. Und Tee- und Esslöffel sind als Maßeinheit aus Kochrezepten nicht mehr wegzudenken.

Messer, Gabel und Löffel müssen aber auch gut in der Hand liegen, nicht nur gut aussehen. Griffe aus Holz, Bakelit, Acryl oder anderen Kunststoffen machen das Besteck leichter. Es fühlt sich in der Hand auch wärmer an. Die Full-Tang-Bauweise sorgt hier für eine optimale Verbindung der zwei Materialien. Dabei wird der Griff entweder im Ganzen über den Besteckstiel gesetzt, oder es werden zwei Griffschalen an den Stiel angelegt.

Das Tafelbesteck, mit dem Design-Geschichte geschrieben wurde, heißt "mono-a" und wurde 1959 von Peter Raacke entworfen. Es war als Gegenentwurf zum verschnörkelten Tafelsilber der damaligen Zeit gedacht und verkörperte den Stil der radikalen Einfachheit – Symbol eines neuen Lebensstils. "mono-a" war erschwinglich, puristisch und aus einem Stück – auch das eine Neuheit. Es wurde das meistverkaufteste Besteck der Nachkriegszeit und wird bis heute hergestellt.

Edelstahlbesteck
Edelstahlbesteck
Nach dem 2. Weltkrieg war Edelstahl der bevorzugte Werkstoff deutscher Besteck-Designer. Viele noch heute beliebte Entwürfe von Designern wie Wilhelm Wagenfeld, Carl Hugo Pott oder Wolf Karnagel stehen in der formalen Tradition des Bauhauses, einer streng geometrischen Grundgestalt, deren reduzierte Formensprache ihre Essbestecke zu zeitlosen Designklassikern gemacht hat. Auch moderne Entwürfe folgen diesem Leitbild, so das minimalistisch-funktionale wie zeitlos schöne Edelstahlbesteck "Stav" von Auerhahn (Bild). Designer Torsten Neeland erhielt dafür 2004 den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland.

Von ,
Zurück zur Übersicht
Bewertungen
(6 Bewertungen)

Kommentare (0)

Kommentieren