Moley Robotic Kitchen Foto: Olga Nasalskaya

Wann kommt der Kochroboter in die Küche?

Moley könnte derjenige sein, der zukünftig überlegt, was man kochen könnte, Zutaten ordert und sich dann auch eigenständig an den Herd stellt. Sieht so die vollautomatische Küche der Zukunft aus?

Haushaltsroboter liegen im Trend. Sie wischen, saugen, mähen den Rasen oder putzen die Fenster. Ihr Verkaufswert wächst bis 2019 weltweit auf rund 13 Milliarden US-Dollar. Das schätzt der Internationale Roboter-Verband IFR. Hierzulande erwartet der VDE ebenfalls zweistellige Wachstumsraten. Einen kommenden Boom sieht der Verband in der Entwicklung von Robotern als Haushaltshelfer für komplexe Aufgaben oder persönliche Assistenten. Roboter könnten, so die Vision, gerade älteren Menschen helfen, den Alltag zu bewältigen und sie dabei unterstützen, länger eigenständig zu leben.

Die Roboter des Bonner NimbRo-Teams sind nicht nur beim Fußball unschlagbar, sondern auch beim Grillen. Foto: Uni BonnDie Herausforderung beginnt jenseits der automatischen Putzhilfen. Sie sind erst der Anfang einer spannenden  Entwicklung. Einen Überblick über aktuelle Forschungsstände bietet alljährlich die Liga RoboCup@Home. Sie ist der führende und vielseitigste Wettbewerb für intelligente Roboter und eines der international bedeutendsten Technologieevents in Forschung und Ausbildung. Als zentrale Disziplin spielen Roboter in verschiedenen Ligen Fußball. In den letzten Jahren sind weitere Anwendungsdisziplinen wie intelligente Roboter als vielseitige Helfer bei Rettungseinsätzen, im Haushalt und in der industriellen Produktion hinzugekommen.

Dynamaid und Cosero heißen z.B. die beiden Roboter, die an der Uni-Bonn am Institut für Informatik entwickelt wurden. Unter der Leitung von Professor Dr. Sven Behnke hat die AG Autonome Intelligente Systeme menschenähnliche Maschinen konstruiert. Durch ihre besondere Bauweise und speziell konzipierte Software können sie nicht nur Kühlschränke öffnen, sondern auch Getränke servieren und Chips in Schüsseln füllen. Cosero überzeugte die Jury 2013 durch geschicktes Wenden von Würstchen am Grill.

Doch wenn es darum gehen soll, komplette Gerichte autark zu kochen, sind noch einige Hürden zu nehmen. Der russische Computerwissenschaftler Mark Oleynik will dieses hehre Ziel erreichen. Und im Fall von Tomatensuppe mit Krabbenfleisch ist es ihm bereits gelungen. Moley ist eine komplette Kücheninsel mit zwei Armen (und jeder Menge Software, Sensorik und Kameras), die an einer Schiene über dem Kochfeld angebracht sind. Gelernt hat Moley vom britischen Fernsehkoch Tim Anderson. Der trug spezielle Sensorikhandschuhe, als er seine delikate Tomatensuppe zubereitete, und wurde von acht Kameras gefilmt.

Jede Bewegung und jede Nuance, von der Art, wie Tim rührte bis zur Steuerung der Temperatur, wurden aufgezeichnet und mit maßgeschneiderten Algorithmen in Software übersetzt. Spezialisten aus England, den USA und Italien waren und sind noch an diesem anspruchsvollen Projekt beteiligt. Die entwickelte Motion-Capture-Technik soll helfen, eine ständig wachsende Bibliothek von Rezepten zu generieren, die die Moley-Küche kochen kann.

Die Moley-Küche live beim Einschenken der fertigen Tomatensuppe. Foto: Olga Nasalskaya / Moley  RoboticsAuch wenn es so aussieht, als ahme Moley einfach die Handbewegungen des Kochs nach – ganz so einfach ist es nicht. Vor allem das dreidimensionale Sehen macht es in der Praxis schwer. Eine Kunst, dem Roboter beizubringen, unterschiedlich große Tomaten als solche zu erkennen – und diese nicht so fest zu drücken wie den Griff vom Kochlöffel. Bei solchen Manövern kann schon mal einiges daneben gehen. Moley flucht dann aber nicht, aber er macht auch (noch) nicht sauber. – Alles nur eine Frage der Zeit. Sein Erfinder hat vor, dass man Moley in naher Zukunft vom Büro aus beauftragen kann, das Abendessen zuzubereiten. Idealerweise bestellt er vorher im Internet die benötigten Zutaten oder macht Rezeptvorschläge auf Basis dessen, was im Kühlschrank ist. 2018 soll Moley serienreif und dann auch bezahlbar sein.

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